Cybermobbing – Wie kann man dagegen vorgehen und was, wenn mein Kind andere mobbt?

22.08.2017
Medianezz-Thema

Für Kinder und Jugendliche kann (Cyber-)Mobbing schlimme Folgen haben. Deshalb ist es wichtig, dass sie Ansprechpartner haben und dass gerade Eltern, Geschwister, Lehrkräfte oder andere Bezugspersonen in solchen Fällen als Ansprechpartner unterstützen. Sie müssen zuhören, Verständnis zeigen, trösten - und sie müssen möglichst schnell handeln:

  • Neue E-Mail-Adresse zulegen. Die alte Adresse können Sie beim Anbieter löschen lassen.
  • Wenn das Handy für Mobbing genutzt wird, sollten Sie den Anbieter wechseln und eine neue Telefonnummer besorgen.
  • Nicknames in Chats, in Foren oder sozialen Netzwerken ändern oder den alten Zugang löschen und ggf. einen neuen anlegen. Zumindest aber die in sozialen Netzwerken eingebauten Sicherheitsmaßnahmen anwenden: Die Mobber auf "Ignorieren" schalten etc.
  • Mobber beim Betreiber der entsprechenden Internetseite melden. Diese können Accounts sperren und Hassbotschaften entfernen. In der Regel tun sie dies schnell, weil sie sich nicht selbst durch die Unterstützung der Verbreitung solcher Posts strafbar machen möchten.
  • Lässt sich die Identität des Mobbers mit Hilfe der Benutzerinformationen herausfinden, so scheuen Sie sich nicht, dessen Eltern einen Brief zu schreiben, in dem Sie auf das Mobbing hinweisen.
  • Wenn nichts davon hilft: Rechtliche Schritte einleiten!
    Zivilrechtlich: Jeder hat das Recht, auf Unterlassung zu bestehen und den Mobber in einem Gespräch oder schriftlich aufzufordern, mit den Aktionen aufzuhören und innerhalb einer bestimmten Frist alle beleidigenden Beiträge zu löschen. Hilft das nicht, kann eine schriftliche Abmahnung folgen. Die nächste Stufe wäre, bei Gericht auf Unterlassung zu klagen oder eine einstweilige Verfügung zu erwirken.
    Strafrechtlich: Wer Cybermobbing betreibt, kann strafrechtlich belangt werden. Die Polizei kann mit Hilfe der Provider die IP-Nummern der Mobber erfahren und die Täter verfolgen. Bevor aber eine Anzeige wegen Beleidigung oder übler Nachrede gestellt wird, sollte dies sorgfältig geprüft werden: Sind die Kommentare oder Einträge, um die es geht, auch aus juristischer Sicht strafrechtlich relevant (Verletzungen des Persönlichkeitsrechts, Beleidigungen, Verleumdungen, üble Nachrede, Drohung, Erpressung und Nötigung können geahndet werden wie im realen Leben)? Oder wertet das Gericht sie nur als unpassend formulierte Meinungen? Sammeln Sie Beweise, damit die Polizei auch tätig werden kann: Heben Sie E-Mails, SMS und Chatprotokolle auf, machen Sie Screenshots von den entsprechenden Websites, laden Sie beleidigende Videos herunter etc. Bei der Beurteilung kann auch ein Anwalt hilfreich sein und den Fall schließlich auch vor Gericht vertreten.

 

Was tun, wenn mein Kind andere mobbt?

Als mögliche Auslöser für Mobbing gelten geringe Selbstkontrolle, zu wenig ausgeprägte Konfliktlösungsstrategien, körperliche Stärke, Fehleinschätzung des Verhaltens anderer, geringes Selbstwertgefühl, Spaß an Machtausübung oder wenig Empathie. Also eine Mischung aus Eigenschaften, wie sie gerade zu Beginn der Pubertät bei fast allen Kindern zu finden sind.

Machen Sie sich klar, dass Mobbing in einer Gruppe geschieht, in der es bestimmte Spielregeln und Machtkonstellationen gibt. Versuchen Sie herauszufinden, welche Rolle Ihr Kind in dieser Gruppe hat! Stiftet es zum Mobbing an? Oder gehört es zu denen, die die Ideen eines anderen ausführen? Nach einer Studie des Robert-Koch-Instituts geschieht Mobbing überwiegend aus Gruppen heraus, in denen ein überdurchschnittlich intelligentes Kind andere dazu bringt, die tatsächlichen Handlungen auszuführen.

Kommt es zum Mobbing in einer Schule, ist auch diese in der Pflicht. Ihre Aufgabe ist es, mit dem Kind gemeinsam zu überlegen, wie es aus der Situation mit Anstand herauskommt und welche Konsequenzen es ziehen sollte:

  • Überlegen Sie gemeinsam, ob eine mündliche oder schriftliche Entschuldigung sinnvoll ist.
  • Versuchen Sie im Gespräch herauszufinden, was dem Mobbing vorausgegangen ist. Häufig lassen Kinder Druck von Lehrern auf diese Art an anderen aus.
  • Wenn das Mobbing durch die schulische Situation bedingt war, verabreden Sie ein Gespräch mit dem Klassenlehrer.
  • Machen Sie Ihrem Kind klar, was es einem Mitschüler angetan hat. Regen Sie es dazu an, sich die Qualen des anderen auszumalen.
  • Ermuntern Sie Ihr Kind, sich klare Ziele zu setzen und zum Beispiel nicht mehr den Anregungen anderer Mobber zu folgen. Machen Sie Ihm klar, dass echte Freunde sich deshalb nicht von ihm abwenden werden.
  • Suchen Sie das Gespräch mit dem Klassenlehrer, wenn Sie den Eindruck haben, dass Ihr Kind Probleme hat, mit Konflikten in der Klasse umzugehen. Bitten Sie um Hilfe für Ihr Kind.
  • Wenn Sie denken, Ihrem Kind würde mehr Selbstkontrolle und Selbstbewusstsein gut tun, überlegen Sie, wo es das lernen kann. Hier bieten sich bspw. an, gemeinsam nach einer Sportart zu suchen, die Ihrem Kind in seiner Entwicklung weiterhelfen kann.

 

Materialien zum Thema: