Digitaler Nachlass

06.06.2017
Medianezz-Thema

Nutzerkonten eines Verstorbenen bei sozialen Netzwerken und Versandhändlern bleiben erst einmal bestehen. Nicht selten haben Familienmitglieder dann Probleme, nach dem Tod eines Angehörigen Zugang zu dessen Internetkonten zu erhalten. Und viele der online geschlossenen Verträge gehen mit dem Tod des Nutzers auf den Erben über, sei es eine laufende Online-Auktion, die Bestellung beim Versandhandel oder die beim Online-Portal gebuchte Urlaubsreise. Die wenigsten Verträge enden automatisch mit dem Tod des Internetnutzers. Verbraucherschützer raten daher, sich schon zu Lebzeiten um seinen digitalen Nachlass zu kümmern. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat unter www.machts-gut.de eine Übersicht erstellt, wie die einzelnen Internetanbieter mit den Daten ihrer verstorbenen Nutzer verfahren:

Facebook hat einen sogenannten Nachlasskontakt, in dem festgelegt wird, wer sich im Todesfall um das Konto kümmern soll. In den Nutzungsbedingungen ist nicht geregelt, ob Rechte aus dem Vertrag im Fall des Todes des Nutzers auf die Erben übergehen. Werden dem Unternehmen allerdings die Geburts- und Sterbeurkunde vorlegt, kann das Profil in den sogenannten Gedenkzustand versetzt werden. Man kann aber auch als direkter Angehöriger die Löschung des Accounts beantragen.

Auch bei Flickr und Yahoo kann man mit einer Sterbeurkunde das Profil löschen lassen. Bei Twitter müssen daneben auch Dokumente, die die Identität des Antragsstellers beglaubigen – eine Kopie des Ausweises und ein notarielles Schreiben mit den Kontaktdaten und der Todesanzeige, vorgelegt werden. Lediglich Xing verzichtet auf einen Nachweis. Bei den E-Mail-Anbietern GMX und Web.de haben die Angehörigen mehr Rechte: Wer hier den Erbschein vorlegt, kann auf das Postfach zugreifen.

Google bietet seinen Nutzern einen sogenannten Kontoinaktivitätsmanager an. Hier können bis zu zehn Personen benannt werden, die über die Inaktivität benachrichtigt werden sollen. Der Nutzer kann festlegen, wer wann auf welche Daten Zugriff haben darf.

 

Tipp: Analoge Vorsorge

Benutzerkonten mit Benutzernamen und Passwörtern auflisten und in einem verschlossenen Umschlag an einem sicheren Ort aufbewahren (regelmäßig aktualisieren!). Außerdem sollte in einem Testament festgelegt werden, was mit seinem digitalen Nachlass geschehen soll – etwa wer Zugang zu welchen Internetdiensten erhalten soll. Das kann auch über eine Vorsorgevollmacht geschehen, in der eine Person bestimmt wird, die Verträge kündigen und Daten verwalten darf, wenn man selbst schwer erkrankt ist.