Digitaler Nachlass

06.09.2018
Medianezz-Thema

Nutzerkonten eines Verstorbenen bei sozialen Netzwerken und Versandhändlern bleiben erst einmal bestehen. Nicht selten hatten Familienmitglieder dann Probleme, nach dem Tod eines Angehörigen Zugang zu dessen Internetkonten zu erhalten (seit Juli 2018 gilt nun aber: für alle digitalen Kanäle gilt das Erbrecht von 1900, die sogenannte Gesamtrechtsnachfolge). Und viele der online geschlossenen Verträge gehen mit dem Tod des Nutzers auf den Erben über, sei es eine laufende Online-Auktion, die Bestellung beim Versandhandel oder die beim Online-Portal gebuchte Urlaubsreise. Die wenigsten Verträge enden automatisch mit dem Tod des Internetnutzers. Verbraucherschützer raten daher, sich schon zu Lebzeiten um seinen digitalen Nachlass zu kümmern. Die Verbraucherzentrale Rheinland-Pfalz hat unter www.machts-gut.de eine Übersicht erstellt, wie die einzelnen Internetanbieter mit den Daten ihrer verstorbenen Nutzer verfahren:

Bei Facebook können Nutzer einstellen, dass ihr Account nach ihrem Tod gelöscht wird. Tun sie das nicht, wird das öffentlich sichtbare Profil im „Gedenkzustand“ eingefroren und bekommt den Zusatz „In Erinnerung an“. Anmelden kann sich hier niemand mehr. Der Gedenkzustand wird von Facebook aktiviert, sobald jemand den Tod des Nutzers meldet (und Geburts- und Sterbeurkunde vorlegt). Außerdem ist es möglich, einen Nachlasskontakt zu benennen, in dem festgelegt wird, wer sich im Todesfall um das Konto kümmern soll. Seit der Entscheidung des Bundesgerichtshofs im Juli 2018 haben nun auch Angehörige (die gesetzlichen Erben!) Anspruch auf Zugang zu den Inhalten eines verschlossenen Kontos, auch dann, wenn sie nicht übe die Zugangsdaten verfügen.

Auch bei Flickr und Yahoo kann man mit einer Sterbeurkunde das Profil löschen lassen. Bei Twitter müssen daneben auch Dokumente, die die Identität des Antragsstellers beglaubigen – eine Kopie des Ausweises und ein notarielles Schreiben mit den Kontaktdaten und der Todesanzeige, vorgelegt werden. Lediglich Xing verzichtet auf einen Nachweis. Bei den E-Mail-Anbietern GMX und Web.de haben die Angehörigen mehr Rechte: Wer hier den Erbschein vorlegt, kann auf das Postfach zugreifen.

Google bietet seinen Nutzern einen sogenannten Kontoinaktivitätsmanager an. Hier können bis zu zehn Personen benannt werden, die über die Inaktivität benachrichtigt werden sollen. Der Nutzer kann festlegen, wer wann auf welche Daten Zugriff haben darf.

 

Tipp: Analoge Vorsorge:

Benutzerkonten mit Benutzernamen und Passwörtern auflisten und in einem verschlossenen Umschlag an einem sicheren Ort aufbewahren (regelmäßig aktualisieren!). Außerdem sollte in einem Testament festgelegt werden, was mit seinem digitalen Nachlass geschehen soll – etwa wer Zugang zu welchen Internetdiensten erhalten soll. Das kann auch über eine Vorsorgevollmacht geschehen, in der eine Person bestimmt wird, die Verträge kündigen und Daten verwalten darf, wenn man selbst schwer erkrankt ist.

Weitere umfangreiche Hilfestellungen gibt das Onlineportal „Silver Tipps – sicher online!“: www.silver-tipps.de